![]() ![]() Orkus Ausgabe Nov. 2010 "Ich will Dead can Dance und die Neubauten verbinden" Hinter einer unscheinbaren Betontür in einer Tiefgarage verbirgt sich das Reich von Jean van Eisentanz. Dort lebt der Klangakrobat alleine mit seinen Instrumenten und technischen Anlagen. Bereits als Jugendlicher sog er jeden Ton in sich auf, bis er sich einen ersten Synthesizer kaufen konnte. Ohne Internet, bediente Eisentanz sich Büchern und Fachgeschäften, um das Gerät zu programmieren und erste Klänge zu produzieren. Er sei schon immer mit offenen Ohren durch die Welt gegangen. Deshalb habe er wohl einen Tinnitus, denn sein Ohrmuskel schliesst sich bei lauten Geräuschen nicht vollständig. Fasziniert von der elektronischen Musik der Achtziger Jahre, dachte er, dass er das auch kann. Seine Inspiration fand er in Künstlern wie den Einstürzenden Neubauten oder Skinny Puppy. Eisentanz ist aber keiner, der gerne kopiert. Seine Begeisterung für die Akustik trieb ihn dazu, seinen persönlichen Stil zu entwickeln. Die Musik, die van Eisentanz produziert, ist metallisch, düster, aber zugleich organisch und lebendig. Bis zu fünfzig verschiedene Töne und Klänge werden mit Synthieflächen verwoben und schaffen ein Soundgebilde, das seinesgleichen sucht. Oft werden die Samples nicht in originaler Form beibehalten, sondern verzerrt, gedehnt oder zerschnitten und erneut zusammengesetzt. "Ich will Dead can Dance und die Neubauten verbinden", sagt van Eisentanz. Tatsächlich muten einige Elemente in seiner Klangwelt urtümlich und folkig. Immer wieder forscht er unbekannten Lauten nach, hält sie auf Band fest und ersinnt eine Verwendung für sie. Nicht immer baut er um einen Ton herum einen Song auf; manchmal gefällt ihm schlicht, wie er klingt. Schnell wurde dem Soundfänger bewusst, dass er an die Öffentlichkeit muss, und er überlegte sich, wie er sein Projekt live umsetzen könnte. Viele Experimente und zahlreiche gescheiterte Auftritte hatte er hinter sich gebracht, bis ein geeignetes Konzept ausgearbeitet war. "Klar könnte ich alles playback machen und dazu eine Show abziehen". Doch dem Akustikjongleur geht es um Authentizität. Musik soll ein Handwerk bleiben. Zu seinen Konzerten gehören phantastische Instrumente, die alle aus Eigenproduktion stammen und klingende Namen wie Shrotophon oder Barrelvoice tragen. Mit seinen fesselnden Performances begeistert der Künstler über die Szenegrenzen hinaus; er wird auch für Einweihungen und ähnliche Events gebucht. Innerhalb des Industrial-Umfelds ist er ein gefragter Mann. So tritt er als Gastmusiker bei der Schweizer Band Jesus and the Gurus mit seiner Metalbodydrum auf und überzeugt auch das Publikum im Ausland. Wie viele Sounds er auf seiner Jagd nach neuen Geräuschen bereits eingefangen hat, kann er nicht sagen, doch er ist weiterhin auf der Suche. Speziell für die LeserInnen von Orkus stellt Eisentanz zwei unveröffentlichte Tracks gratis auf seiner Website zum Download zur Verfügung, damit ein Eindruck seiner Klangkünste gewonnen werden kann. Discographie (Alben): SO21 - Special Edition (2007) ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Eisentanz_2_0_1_0_ (2010) ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Text: Janosch Tröhlerzurück |