![]() ![]() Zürcher Oberländer Der Mann, der mit klingenden Eisen tanzt Jean-Claude Horlacher ist raffinierter Soundtüftler Für Jean-Claude Horlacher alias «Jean von Eisentanz» ist die Welt voller Klänge, und deshalb baut er sich seine eigenen Klangwelten. Als 10-Jähriger sei er von seinem Vater an ein AC/DC-Konzert mitgenommen worden. Gestaunt habe er, sagt Jean-Claude Horlacher, ob der Wirkung der Musik auf das Publikum, über die Nieten-Lederjacken, und dass Gleichaltrige bereits geraucht hätten. Obwohl der 37-Jährige heute mit Hardrock nichts mehr am Hut hat - «ein Abstecher im jugendlichen Leichtsinn zu Krokus war natürlich auch dabei» -, war das Konzerterlebnis seine musikalische Feuertaufe. Sehr früh habe er das Avantgardistische und Extreme in der Musik gesucht. Fündig wurde er zuerst im Stil des Italo-Disco, der damals mit der synthetischen Musik und den elektronisch veränderten Stimmen als Vorreiter des Techno galt. «Aber wirklich umgehauen hat mich», so Horlacher «die Gothic- und Industrial-Musik.» Klassischer Autodidakt Damals, mit 20 Jahren, sei er als «Gruftie» - schwarz gekleidet, rechte Kopfseite rasiert, linke Seite mit langen Haaren - durch Pfäffikon gelaufen, und man habe hinter vorgehaltener Hand über ihn getuschelt. Mit Gleichgesinnten sei man am Wochenende zu den einschlägigen Gothic-Partys nach Greifensee oder Zürich gefahren. Während der Ausbildung zum Hochbauzeichner, die er erst viel später wegen der Befähigung zur Lösung von technischen Problemen schätzen lernte, hat er in den Pausen Anleitungen über Computer und technisches Gerät geradezu verschlungen und beispielsweise gelernt, wie man einen Synthesizer von Grund auf programmiert. So sei nach und nach sein eigenes Studio entstanden. «Ich weiss es nicht genau, aber in den letzten 20 Jahren habe ich sehr viel Geld darin investiert.» Seit 15 Jahren tüftelt der Pfäffiker im Luftschutzkeller eines Gebäudes im Industriegebiet Witzberg, wo er auch halbtags als Büroangestellter arbeitet. Der Raum ist voll von elektronischen Geräten, lange Plastikstangen stehen da, und ein selbstgebautes Gestell mit herunterhängenden, verschieden langen und dicken Eisenstangen fällt auf - das «Shrotofon». Ein Minimal-Schlagzeug, Gitarren und Verstärker stehen zur Verfügung, eine Leinwand zieht sich über eine ganze Wandbreite, eine nur bedingt gemütliche Sitzecke vermittelt eine arbeitsame Atmosphäre, alles ist sauber und aufgeräumt. Klänge aus dem Alltag Jean-Claude Horlacher hat in seinem musikalischen Leben schon viel Musik auf Tonträger gepresst. «Besonders in der Technozeit 1994/95 produzierte ich mit einem befreundeten DJ Woche für Woche eine neue Platte», sagt er. Damals habe er für eine 20-minütige Synthesizer-Live-Show schon mal 2000 Franken bekommen. Heute ist Horlacher als «Jean von Eisentanz» mit einer Soloshow unterwegs. Dabei unterlegt er mit Ambiente-Musik Hochzeitsapéros oder Boutique-Eröffnungen. Musikalische Ideen findet er tagtäglich: «Ich laufe an einer Metall-Schiebetür vorbei, lasse meine Hände über die Stangen laufen, und schon habe ich einen neuen metallischen Rhythmus.» Diese Sounds verändert Horlacher dann meist bis zur Unkenntlichkeit des Originals und baut sie in seinen Kompositionen ein. Irgendwann möchte er an den Konzerten die einzelnen Sounds mit Videos unterlegen, die deren Ursprung zeigen. «Bei jeder spezifischen Soundsequenz würde ein Videoflash der metallenen Schiebetür im Hintergrund aufblitzen.» Und dann gibt es natürlich noch die Band Scheich, mit welcher der Soundtüftler erst kürzlich einen Auftritt im Zürcher Volkshaus vor knapp 2000 Zuschauern hatte. Jean-Claude Horlacher, Natasha Yasmeen Hauri und Thomas Schönenberg verpassten beim Finale des Wettbewerbs «Battle of the Bands» den ersten Platz nur ganz knapp. «Es war ein Hammerauftritt! Die Resonanz der Leute war grossartig. Es gab einen Moment, als ich ein grosses Plastik-Abwasserrohr rhythmisch bearbeitete, und dieser Rhythmus elektrisierte auf seinem Weg durch den ganzen Saal das Publikum sichtbar.» Hoffnung auf Label Mit Scheich sind weitere Konzerte, vorwiegend in der Stadt Zürich bereits fix, und Horlacher hat ein gutes Gefühl dabei: «Natashas Stimme ist so kräftig und voll, und auf der Bühne blüht ihr Charisma voll auf - das hat man insbesondere beim Auftritt im Volkshaus sehen können.» Der erfahrene Musiker Thomas Schönenberg spielt Gitarre und Querflöte, und beides ergänze seine Sounds perfekt, meint der Komponist. Man plant nun ein Album, das in Horlachers Studio in Pfäffikon aufgenommen wird. «Ich bringe hier einen guten Sound hin. Aber irgendwann wäre es schon schön, wenn ein Label so richtig Geld in uns investieren würde», meint der Pfäffiker. (Andreas Leisi) zurück |